Über die Kreativität in meinem Alltag als Lebens-Alpinistin

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Für mich als Lebens-Alpinistin ist meine Kreativität eng verbunden mit meinem Instinkt. Belebt und geweckt wird er durch meine Einwilligung in die Realität meines Alltags und der Menschen, welche mir hierbei begegnen, sowie durch die Akzeptanz dieser.
Ich vergleiche den Prozess von Kreativität gerne mit puzzeln. Die Kunst besteht darin, Eindrücke und Impulse erstmal nur zu sammeln, wie Puzzleteile, diese jedoch nicht gleich zuordnen oder verstehen zu wollen. Also nicht sofort richtig „zusammenstecken“ zu wollen, um so auf schnellstem Weg das Bild zu formen. Der Impuls zum Sammeln entsteht aus dem, was mich instinktiv neugierig und mir Spaß macht.
Für die Umsetzung eines Projektes, der Vorbereitung für ein Seminar oder der Idee für einen neuen Blogeintrag, begebe ich mich in die Konzentration auf das Gegenwärtige. Ich sammle also Puzzleteile. Alles was mir an Gedanken, Emotionen und körperlichen Empfindungen begegnet, nehme ich aufmerksam wahr und lasse diese vorüberziehen, bis zu dem Punkt, an welchem eine eindeutige Inspiration in mir auftaucht. Dies ist der Startschuss einer Idee oder Vision. In diesem Moment ergeben die gesammelten Puzzleteile ein Bild und formen den Weg hin zur Verwirklichung. Jetzt bin ich im Fluss und mein Instinkt gibt mir den jeweils nächsten Schritt vor.
Meine Erfahrung ist die, dass intuitive Produktivität einfach ist, sobald die Inspiration da ist. Die Herausforderung im Umgang mit der eigenen Kreativität sind die Bewertungen und die Vorurteile, welche durch die Prägungen in der eigenen Geschichte und der Gesellschaft gegeben sind. Damit verbunden ist die Auffassung, dass der Alltag eine Last und unumgängliche Pflicht sei. Der Spaß kommt erst am Feierabend, am Wochenende oder im Urlaub.
Natürlich ist es so, dass nicht jeder Mensch den Luxus besitzt, sein Hobby, die große Leidenschaft, zum Beruf zu machen, und nicht jeder kann sich seinen Alltag nach der eigenen Stimmungslage einteilen. Doch kann jeder für sich selbst entscheiden, wie man den eigenen Alltag erleben möchte.
Möchte ich mich kreativ und lebendig dabei fühlen, den Alltag nutzen für meine Inspiration und meine Projekte?
Dann ist die Form meiner Kreativität für dich das Richtige. Nichts bringt uns mehr in Kontakt mit der Realität als der eigenen Alltag. Sobald du dich dafür entscheidest, nicht länger funktionieren zu wollen, sondern zu leben, beginnst du die Realität deines Alltags als Inspiration für deine Projekte und deine Träume zu nutzen.
Ich selbst habe es so erlebt, dass das, was mich früher daran hinderte, die Realität anerkennen zu wollen, meine Angst vor Veränderung und Loslassen war. Also begab ich mich lieber in die Welt meiner eigenen Vorstellungen oder der Illusion einer besseren Zeit in der Zukunft.
Heute weiß ich, dass ich meinem Instinkt vertrauen kann. Er spürt sehr genau, was für mich stimmt, was mir schmeckt und was mir gefällt. Die Freiheit liegt für mich darin, diesen Impulsen zu folgen, die Puzzleteile zu sammeln und mich überraschen zu lassen darüber, was sich dadurch formt. So erlebe ich jeden Tag sich gestaltend, ohne hierbei meinen Terminkalender zu vernachlässigen. Manchmal sind es am Ende des Tages die kleinen „Aha“-Momente, in denen mir durch die Impulse des Tages ein Licht über mich oder mein Umfeld aufgeht. Es sind solche Bewegungen, die zur Umgestaltung und einer neuen Sichtweise in mir selbst führen. Und manchmal gebärt ein banaler Moment des Tages die Inspiration zu einer großen Idee in mir.
Die Voraussetzung für dieses lebendige und gestaltende Erleben meines Alltags ist meine Einwilligung in das, was gerade da ist: all die großen und kleinen Herausforderungen und Mühen des täglichen Lebens.
Es ist mein Loslassen davon, die Freiheit und die Lebenslust nicht länger im Außen und in der Befreiung von der Pflicht zu suchen. Definitiv braucht es für diese Haltung eine innere Präsenz und Lust auf das, was Gegenwärtig in mir selbst und meinem Umfeld da ist. Damit schaffe ich die Bereitschaft zur Veränderung, wenn mir mein Alltag nicht gefällt. Meine spielerische Haltung hierzu, in Form von Sammeln meiner unterschiedlichen Eindrücke, lässt mich instinktiv den Impulsen folgen, welche mir neue Möglichkeiten offenbaren können.
Als ich heute auf meinem täglichen Spaziergang eine kleine Kita-Gruppe antraf, in der ein Erzieher den anderen von Weitem zurief: „Und? Habt ihr Spaß gehabt?“, da musste ich schmunzeln, denn sollten wir uns nicht alle am Ende eines Tages selbst zurufen: „Und? Hab ich heute Spaß gehabt?“.
Damit meine ich nicht den oberflächlichen Spaß, welcher mehr der Ablenkung und der Flucht vor der Realität dient. Ich meine die Freude an der eigenen Bewegung und den Erfahrungen, welche ich hierbei mache. Die Frage am Ende des Tages sollte also sein: „Habe ich heute etwas Neues erkundet? Habe ich heute etwas gewagt? Hatte ich heute Freude an meinen Erfahrungen? Habe ich mich lebendig gefühlt in meinem Tun? Hatte ich Begegnungen und Momente, welche mich inspiriert und begeistert haben?“.
Nicht jede Inspiration des Tages lässt sich auf den ersten Blick als solche erkennen. Manchmal ist es gerade die Enttäuschung, der Ärger oder eine Ungerechtigkeit, welche inspiriert und in der eigenen Kreativität herausfordert. Dann liegt es an jedem selbst, die Ohnmacht und die Lebensangst zu wählen, oder sich ein Herz zu fassen, innezuhalten und sich in der Kunst der Gegenwärtigkeit zu üben.
So kann ich die Realität als meinen Freund und loyalen Begleiter anerkennen und beginne, in der kreativen Auseinandersetzung mit ihr über mich selbst hinauszuwachsen. Der Impulsgeber ist in solchen Momenten der eigene, untrügliche Instinkt, welcher auch in scheinbaren Niederlagen und Zurückweisungen kreative Wendungen entdeckt und am Ende zur Lösung und Bereicherung führt.

Impulse 2020

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Wir alle fühlen die bereits seit langem laufende Veränderung und die aktuell geforderte Notwendigkeit zum Umdenken, sowohl im persönlichen privaten Erleben als auch im gesellschaftlichen und weltpolitischen Kontext. Damit einhergehend entsteht die Herausforderung, aus der eigenen Komfortzone herauszutreten und sich der eigenen Bedürftigkeit zu stellen.

Hier sind einige Fragen, welche auf die Spur hin zur eigenen Komfortzone führen können:
Was stimmt in meinem Alltag, in meinem Beruf, in meinen Beziehungen mit mir überein und was nicht?
Möchte ich meine Autorität und die Anerkennung hierfür an meinem gesellschaftlichen Status, meinem Bankkonto, meinen persönlichen Netzwerken und meiner schulischen Bildung messen? Oder möchte ich mich selbst anerkennen und mich durch meine innere Aufrichtigkeit in meiner Eigenmacht fühlen?
Möchte ich durch die Kraft meiner Authentizität mein tägliches Erleben aktiv gestalten?
Möchte ich die Einfachheit wählen und mich meinen Fluchtmustern der Ablenkungen hierbei stellen?

Wir alle tragen die Sehnsucht in uns, endlich anzukommen: in einer liebevollen Partnerschaft, in dem eigenen Zuhause, im beruflichen Erfolg oder in der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft. Zugleich tragen wir immer noch Prägungen in uns, welche uns im Mangel, im Minderwert und der Kleinheit halten möchten.
Solange wir im Bedienen von Erwartungen bleiben, welche uns am Ende den Wunsch erfüllen sollen, bleiben wir in der Illusion und somit in der Abhängigkeit von einer äußere Macht: Ich gebe, um zu bekommen. Es sind das Streben nach dem Glück und der Erfüllung durch materielle Werte, und die Suche nach einer Versicherung und Beständigkeit durch die Regeln und die Gesetze der Gesellschaft, welche derzeit im Umbruch ist.

Jeder für sich selbst hat eine innere Ahnung davon, was das Neue, die persönliche Veränderung ist, und fühlt ebenso, was die damit einhergehende Verpflichtung bedeutet. Indem wird spürbar, was uns davor zurückschrecken lässt, wenn wir diesen Prioritäten folgen und somit in einer klaren Haltung sichtbar werden.
Wenn ich über diese Schwelle gehe, dann lasse ich eine alte Sichtweise hinter mir und öffne mich der Leere, in welcher ich es „noch nicht weiß“.

Die Furcht, die damit greifbar wird, ist die Enge, wenn ich bisherige Vorstellungen über Wohlstand und „Versorgt-Werden“ loslasse. Wir alle reden über Einfachheit und darüber, dass wir beginnen müssen, umzudenken. Doch es ist eine Sache, darüber zu reden, die andere, es auch zu tun und mit den Konsequenzen dessen konfrontiert zu werden.

Das innere Zuhause hat hierbei eine Schlüsselfunktion. Fühle ich mich wohl in meiner Haut, wenn ich auf mich zurückgeworfen werde, und kann ich mich in den damit einhergehende Emotionen selbst halten?
Hier zeigt sich der wahre Wohlstand eines Menschen in seiner Selbstliebe und Selbstwertschätzung, aber auch die persönlichen Lernfelder, welche einem an dieser Stelle begegnen und welchen man in diesem Jahr nicht ausweichen sollte. Es sind die Aktivitäten im Alltag und die Projektionen der eigenen Wünsche und Bedürfnisse in das Umfeld, welche vor der Begegnung mit sich selbst, der Leere darin und der darauffolgenden Erkenntnis bewahren sollen.

Das Thema ist nicht die Askese, oder die Gleichberechtigung in Form einer Gesellschaft ohne Status Quo, sondern die Projektionen der eigenen Bedürfnisse nach Halt, Zugehörigkeit und Akzeptanz, welche es in sich selbst zu lösen gilt, sowohl als auch das Verhaftet-Sein in äußeren Sicherheiten, sei es der Partner, die Stellung oder die Rolle, welche ich nach Außen hin zeige.

Meist gibt es gute Gründe, an einer bisherige Beziehung, einer bisherigen beruflichen Position oder einer bisherigen Lebensform festzuhalten. Die Gründe, welche dagegen sprechen, sind meist verbunden mit Unsicherheit, Enttäuschung, Existenz- oder Lebensangst.

Was brauche ich wirklich, um erfüllt, zufrieden und glücklich zu sein?
Was kann ich geben? Was habe ich zu geben?
Die jeweilige individuelle Antwort auf diese Fragen zeigt, wo der weitere Weg hingeht und gibt Aufschluss über die notwendigen Schritte hin zum persönlichen Glück.
Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass es gar nicht um den großen Umbruch im Außen geht.
Vielleicht ist es die Erkenntnis, dass es um das Ankommen bei mir selbst geht und darum, mir selbst Geduld und Mitgefühl zu schenken, bis ich den Frieden in mir fühlen kann. Erst dann kann ich klar sehen und eine Entscheidung aus meinem Herzen treffen.

So ist dieses Jahr ein Jahr von bewussten und aufmerksamen Geschehen-Lassen und die große Chance, darin das eigene Glück zu finden.

Jeder Wechsel, jede Veränderung ist ein Übergang. Das Alte ist nicht plötzlich weg und das Neue ist nicht plötzlich da. Dazwischen liegt Abschied und der Prozess von Neuorientierung. Die kommenden Monate fordern in der Verdauung von Emotionen während des laufenden Umbruchs und belohnen – wenn es gelingt sich darauf einzulassen – mit der Hoffnung und der Zuversicht am Ende dieser Wegstrecke. Ohne das Durchleben von Sterben-Lassen gibt es keinen fruchtbaren Boden für das Neue. So gehören Gefühle wie Verlust, Traurigkeit, Verunsicherung, Zweifel, Ohnmacht, Ratlosigkeit, Ungeduld, usw. dazu und können nicht übersprungen werden. Jedes Loslassen ist ein Sterbeprozess. Das, was geht, muss gewürdigt werden, um so zu einem friedlichem Abschluss kommen.

Es ist weniger das Tun als vielmehr das Sein, welches das Neue hervorbringen wird.

In Berührung sein mit dem Tabu

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In den letzten Wochen war mein persönliches Erleben davon geprägt, dass ich endlich eine Entscheidung getroffen habe, vor welcher ich lange zurück geschreckt war: mein jüngster Sohn wurde bisher in Inklusion beschult. Vor einiger Zeit wurde mir bereits klar, dass dieser Weg nicht zur Entfaltung seiner Möglichkeiten führen wird. Trotzdem kämpfte ich weiter für Veränderungen in der schulischen Förderung und wollte meine Idee einer gelungenen Integration noch nicht aufgeben.
Erst durch die Ermutigung der Therapeutin meines Sohnes konnte ich die Möglichkeit eines Schulwechsels an eine Förderschule als Alternative in Erwägung ziehen. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese Option ein Tabu für mich und damit verbunden, weggesperrt und in eine Schublade gepackt zu werden. Ich wollte meinem Sohn die Freiheit ermöglichen, trotz seiner Einschränkungen und seiner Andersartigkeit teilhabend an einem normalen Leben zu sein und ein vollwertiges Mitglied unserer Gesellschaft zu werden. Der Weg in die Sonderförderung war für mich bis dahin der Weg in die Abhängigkeit und in die Fremdbestimmung.

Für meinen Sohn stellte ich mich diesem Tabu und traf die Entscheidung, die Schule zu wechseln. Hierbei stellte ich fest, dass genau das, was ich bisher abgelehnt hatte, wovor ich so zurückschreckte, die Lösung war.

Die Erkenntnis war für mich, dass das „Hässliche“ das Wunder sein kann, wenn ich ihm eine Chance gebe. Somit rückte ich dem Teil meiner Selbst näher, mit welchem ich immer wieder bei meinem Umfeld anecke und vor welchem andere oftmals zurückschrecken und mich in der Folge ablehnen.

Plötzlich konnte ich begreifen, weshalb ich bisher so im Widerstand mit dieser Lösung war. Ein Teil meiner weiblichen Vorfahren wurzelt in der Tradition der Sinti und Roma. Ich trage dieses Erbe in mir und bin in meiner Andersartigkeit damit sichtbar. Immer wieder erlebe ich es, dass Menschen in meinem Umfeld fasziniert und ängstlich zugleich auf diesen Wesenszug reagieren. Bisher konnte ich diese Polarität in mir nicht lösen. Ich habe diesen Teil in mir selbst angenommen, doch die gelungene Integration in Begegnung mit meinem Umfeld wollte sich nicht einstellen.

Das Wunder, welches ich durch den Schulwechsel meines Sohnes erleben durfte, war das herzliche Willkommen meines Sohnes in der Gemeinschaft der Förderschule und die tiefe Entspannung, welche ich in ihm wahrnehmen und sehen konnte.
In dieser Teilhabe an der Erfahrung meines Sohnes erkannte ich, dass ich es niemals in mir selbst hätte lösen können. Es brauchte die Umarmung und den Halt einer Gemeinschaft von Menschen mit Andersartigkeit. Hierbei fühlte ich die Befreiung und die Integration meiner Verletzung in meinem Anders Sein, als ich diese Zuwendung und den Halt zulassen und annehmen konnte. Damit wurde es mir möglich, einzuwilligen. Das Alte löste sich in dieser Berührung auf. Mir begegnete an dieser Stelle die Liebe und das Licht in mir: Was für ein Geschenk!
Es ist nicht länger Teil meiner Geschichte, in der Dunkelheit und im Verstoß zu leben, wenn ich in meiner Andersartigkeit sichtbar bin und mich in dem dazu bekenne, eine Grenzgängerin zu sein.

Für jemand anderen ist es vielleicht ein Tabu, sich die eigene Hilflosigkeit einzugestehen und darin einzuwilligen, auf die Hilfe des Umfeldes angewiesen zu sein, um so zur Selbsthilfe zu gelangen. Oder es ist ein Tabu, die eigene Gefühlskälte anzuerkennen und darin einzuwilligen, Berührung von Außen zuzulassen, um die Nähe zu sich selbst wieder zu fühlen.
Oder es ist das eigene Drama und die damit verbundene innere Ohnmacht, welche sich tabu anfühlt. Hier braucht es die eigene Würdigung dieser Abhängigkeit und ein gefühlsstarkes Umfeld, welches das Drama mittragen kann, um so wieder zur Unabhängigkeit zu kommen.

Die Herausforderung liegt im Eingeständnis und Zugeständnis des eigenen Tabus. Die Akzeptanz folgt dann ganz natürlich aus der Selbstverständnis.

Damit überschreite ich die Grenze des Egos und willige in die Erfahrung von Enttäuschung ein. Ob diese für mich das langersehnte Wunder oder die befürchtete Katastrophe ist, ist nicht vorhersehbar.

Eines ist jedoch sicher: Dann bin ich bei mir, dann bin ich mittendrin, dann bin ich im Leben und dann liebe ich.

Ich möchte euch dazu ermutigen, die kommenden Feiertage zu nutzen, das Wagnis einzugehen, eine liebevolle Umarmung, tiefes Mitgefühl und ehrliche Unterstützung zuzulassen und anzunehmen und vielleicht dabei das Wunder der Integration zu erleben, wenn ihr euch in eurem Tabu berühren lasst.

Frohe Weihnachten und besinnliche Rauhnächte.

Die letzte Konsequenz

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– Das eigene Tatmuster als einzige Alternative anerkennen –

In einem Gespräch mit meiner Tochter, in welchem sie mir über ein Telefonat mit einem Freund erzählte, tauchte bei ihr die Frage auf, ob sie in ihrer Art und Weise, die Dinge auf den Weg zu bringen, wirklich zu voreilig sei. Der Hintergrund hierfür war die gegenseitige Kritik in der Herangehensweise zur Umsetzung der eigenen Ziele. Meine Tochter kritisierte die abwartende Haltung ihres Freundes und dieser ihre spontanen Sprünge, wenn es darum geht, die Dinge anzupacken.

Im Nachklang bekam meine Tochter Zweifel, ob es nicht doch besser sei, Dinge abzuwarten, wie es ihr Freund tut. Sie hinterfragte ihre eigenen vergangenen Handlungen, in welchen sie enttäuscht wurde, oder Wege, die sie wählte und die nicht aufgingen. Sie schlussfolgerte, dass es also richtig sein könnte, abwartend und geduldig zu sein.

Für mich war es in diesem Gespräch wichtig, meine Tochter darin zu ermutigen, ihrem eigenen „Tatmuster“ treu zu bleiben und dieses für sich selbst zu akzeptieren und anzunehmen.
Die eigene Tatkraft, also wie ich die Dinge im ersten Schritt anpacke, zeigt sich meist im ersten spontanen Impuls. Je nachdem wie wir geprägt wurden, ist diese instinktive Reaktion gefördert oder abgelehnt worden, oder liegt ungenutzt brach.

Im Falle meiner Tochter ist das Tatmuster, plötzlich, unvorhersehbar und schnell zu handeln. Damit verbunden ist ihr eigener Fluchtimpuls in Momenten der Gefahr und der Enge, aber auch das Erkennen einer Chance und das spontane Ergreifen dieser.

Jeder Mensch ist anders und jeder Mensch hat seine eigene Art und Weise, die Dinge in Bewegung zu bringen. Solange ich im Vergleichen und Bewerten bin, leugne ich meine Kraft und die damit verbundene Eigenart. In gewisser Weise bleibe ich so im Widerstand gegen das Leben selbst. Das Leben fordert mich in der Einwilligung in die Erfahrungen, aktiv zu werden. Diese lassen mich einen Einblick in das Können meiner angelegten Tatkraft gewähren. Hierbei werde ich Fehler machen und Erfolge feiern. Beides ist wichtig, um die Meisterschaft in meiner Spezialität zu erlangen.

Die Suche nach einer Sicherheit im Außen, durch Vorgaben oder durch Regeln, führt zu Abhängigkeit und innerer Stagnation. Dadurch entsteht eine ständige unbewusste Angst vor eigenmächtigen Entscheidungen und damit verbundener Veränderungen.

Als klassische Homöopathin, zu Beginn meiner Selbstständigkeit, war ich immer wieder mit der Frage konfrontiert: Impfung, ja oder nein?
Ich erinnere mich gut an eine Mutter, welche sehr geplagt war von ihrer Sorge, ob sie konsequent den homöopathischen Weg gehen und keine Impfung vornehmen lassen soll, oder aus Angst vor drohender Krankheit doch in die Impfung ihrer Kinder einwilligen wird. In diesem inneren Widerspruch suchte sie die Sicherheit durch meine Autorität als Homöopathin. Sie wünschte sich von mir eine klare Vorgabe, am besten von einer homöopathischen Regel bestimmt.
Für mich war jedoch die Lösung klar: Die Mutter musste ihre eigene Angst anerkennen und ihr auch den gebührenden Platz geben. Es wäre aus meiner Sicht nicht gesund gewesen, die Impfung zu verweigern und sich damit in die permanente untergründige Unsicherheit zu zwingen, sobald das Kind krank werden würde. Davon hätte weder das Kind noch die Mutter etwas gehabt.

Das Tatmuster dieser Mutter war die Vorsicht und die Zurückhaltung. Der Anspruch und die Erwartungshaltung sich selbst gegenüber war die kompromisslose Hingabe an die Regeln der Homöopathie. So wollte die Mutter die Sicherheit gewinnen, „es richtig“ zu machen. Meiner Meinung nach war es eine eigenmächtige gesunde Entscheidung, die angelegte Vorsicht über die Regeln der Homöopathie zu stellen, ohne hierbei die Idee der Wirksamkeit in Frage zu stellen.

Sicherlich ist dies ein provokativer Ansatz gegenüber den Gesetzen der Homöopathie, welche die Impfung als eindeutige Unterdrückung der Lebenskraft sieht. In meiner Gesundheits-Philosophie geht es darum, die letzte Konsequenz in der Verantwortung dem eigenem Können gegenüber zu finden. Was bin ich fähig zu tun und zu tragen, und was bin ich nicht fähig zu tun oder zu tragen? Die Weisheit des Lebens liegt darin, das eine vom anderen unterscheiden zu lernen.

Für mich kann Berührung und damit verbundene Heilung nur geschehen, wenn ich innerlich entspannt und offenen Herzens bin. Diese Mutter wäre sicherlich angespannt und hart sich selbst gegenüber gewesen, wenn sie ihre Vorsicht nicht akzeptiert hätte.

Die Angst, es nicht richtig zu machen, wenn ich zu mir selbst stehe und zu dem, wie ich es machen kann und will, ist groß. Oftmals ist damit auch die Angst verbunden, keine Unterstützung oder Zuspruch vom Umfeld zu bekommen, sowie die Angst vor Schuldzuweisung, wenn durch die eigene Herangehensweise Andere von den Konsequenzen betroffen ist.

Für mich ist es eine Illusion, wenn ich die Absicherung in vorgegebenen Wegen suche. Damit flüchte ich vor der Eigenverantwortung und vor den damit verbundenen Anstrengungen, mir selbst gegenüber aufrichtig und meinem Tun gegenüber achtsam zu sein.

Als Lebens-Alpinist gehe ich immer meinen eigenen Weg. Eine Sicherheit durch vorgegebene Konstrukte und Regeln gibt es hierbei nicht. Die einzige Sicherheit ist meine Präsenz in meiner eigenen Gegenwart. Dies bedeutet nichts anderes als die radikale Verpflichtung mir selbst gegenüber. Es ist also von Vorteil, wenn ich frühzeitig mit meiner Art und Weise, die Dinge anzupacken, im Reinen bin. Damit pflege ich das Vertrauen meiner eigenen Anlage gegenüber, welche die beste Lebens-Versicherung ist.
Meine eigenen Erfahrungen zeigen, dass mein angelegtes Tatmuster in Notsituationen immer funktioniert. Hierbei verlasse ich mich auf meinen Instinkt und meine Intuition.

Über die Saturn/Pluto Konjunktion im Zeichen Steinbock am 12.01.2020

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Saturn ist die Planetenqualität der Grenzsetzung und konfrontiert uns mit der Realität. Am eindrücklichsten erleben wir ihn in der Auseinandersetzung mit unserem Körper und den damit verbundenen Prozessen von Altern, Gesundheit und Krankheit.
Auch das Gesetz von Karma ist an Saturn gebunden: Ich werde ernten, was ich gesät habe.

Pluto hingegen ist die Planetenqualität der Veränderung und der Wandlung. Er steht für unser Ego und unseren Eigenwillen. Daran geknüpft sind die eigenen Tabuthemen, welche sich im Schatten der Persönlichkeit widerspiegeln. Diese Seite wird meist in der Projektion sichtbar.
Die Aussöhnung mit der eigenen Schattenseite führt zur Selbstbestimmung.

Das Zeichen Steinbock steht für Ausdauer, Beharrlichkeit, Struktur und Einfachheit, jedoch auch Erstarrung, Unnachgiebigkeit, Angst und Panik.

Die Saturn/Pluto Konjunktion in diesem Zeichen bringt uns in Berührung mit der Verantwortung für die eigenen Regeln, die eigene Ordnung und den damit verbundenen eigenen Plan. So wird mit dieser aktuellen Zeitqualität die Illusion von scheinbarer Sicherheit und Autorität sichtbar, sowohl im gesellschaftlichen als auch im persönlichen Erleben. Jeder Einzelne ist gefordert, sich den eigenen Machtthemen in Bezug auf Verantwortung und Sicherheit zuzuwenden. Damit tauchen die Tabus von Manipulation und Missbrauch in Verbindung mit Sicherheit und Schutz auf:

Wo manipuliere und missbrauche ich selbst?
Wo werde ich manipuliert und missbraucht?

Um diese Fragen zu klären, braucht es die Verantwortung dem eigenen Schatten gegenüber. Dieser zeigt sich im Vorwurf und in den Erwartungen, welche ich an die Gesellschaft habe. Meist rühren diese aus vergangenen Erfahrungen in der Familie.
Jeder von uns möchte zugehörig sein und seinen eigenen Platz in der Gemeinschaft einnehmen. Wird dieser Platz verwehrt, verurteilt und in der Folge vielleicht sogar aberkannt, folgt hieraus ein Ungleichgewicht im System. Es liegt nun an jedem Einzelnen persönlich, entweder dem Weg des Machtanspruchs und der Rechtfertigung zu folgen, oder die Berührung mit der eigenen Verletzung und dem eigenen Schmerz über vergangene Zurückweisung, Vorwurf und erfahrene Dominanz zu wählen und hieraus die Identifikation mit der eigenen Persönlichkeit entfalten zu lassen.

Ich nenne das: Die eigenen Autorität zu leben.

Wenn ich mir selbst gegenüber ehrlich und aufrichtig bin, braucht es keine Masken und Rollenbilder dem Umfeld gegenüber, um tätig zu werden. Es genügt zu wissen, was ich fähig bin, zu tun und was nicht. Hieraus ergibt sich, was ich will und was ich in der Folge auch verantworten kann.

Ich selbst erlebe ebendiese Momente, in welchen ich für mich und meinen Platz in der Gemeinschaft einstehe, weder erhaben noch siegreich. Vielmehr sind diese Augenblicke geprägt von dem Wissen um die Möglichkeiten einer Entscheidung, sowie der Gefahren, welche auf diesem Weg liegen.
Die Schwere der Verantwortung kann ich physisch wahrnehmen und sie fordert mich auf zur absoluten Konzentration. Es stellt sich ein Gefühl ein, von unausweichlich und stimmig zugleich.

Ebenso erlebe ich Situationen, in welchen ich mit dem freien Willen meines Umfeldes konfrontiert bin und mich dem Leben selbst beugen muss. Dies fordert mich in Demut und Gelassenheit. Die größte Erkenntnis hierbei ist, dass mein Platz und meine Bestimmung nicht daran gebunden sind, ob ich gewinne oder verliere, ob ich angenommen oder abgelehnt, anerkannt oder kritisiert werde.
All dies sind Erfahrungen, welche dazu führen, dass ich stetig in meiner Autorität wachse, wenn ich sie denn annehmen kann.

Unabhängig davon, dass dies meine grundsätzliche Lebenseinstellung ist, wird diese Haltung durch die aktuelle Planetenkonstellation von uns allen gefordert. Wir alle müssen uns den Bereichen zuwenden, in welchen es ein Ungleichgewicht zwischen Macht und Verantwortung, zwischen Führung und Fürsorge gibt. Weder die Haltung der Unterwürfigkeit noch die der Dominanz stehen zur Verfügung.
Aus meiner Sicht braucht es derzeit das individuelle Einlassen und die Zustimmung zu einer persönlichen Aufgabe in einer Gemeinschaft.
Damit verbunden ist für mich die tiefgreifende Erkenntnis:
Auch wenn ich Individualist bin, bin ich Teil einer Gemeinschaft. Zuerst bin ich Mensch und in dem, Teil der Natur.

Derzeit tauchen bei uns allen die Fragen nach der Substanz auf:
Auf welchem Fundament steht meine Persönlichkeit?
Auf welchem Fundament steht unsere Gesellschaft?

Ich muss wissen, wer ich bin, was ich will und was ich brauche. Wenn mein Umfeld und meine Lebenssituation nicht mit meiner inneren Haltung übereinstimmen, so wird diese sich auflösen und verändern. Unzufriedenheit, Wut, Sehnsucht und Angst sind die Symptome für notwendige Veränderungen.

Chaos und Konflikt folgen, wenn ich mich auf diese Veränderungen einlasse und beginne, mich transparent mit meinen Bedürfnissen und dem, was ich wirklich will, zu zeigen.
Im Weiteren bin ich in der kompromisslosen Verpflichtung mir selbst gegenüber gefordert. Dies bedeutet, zu mir zu stehen, auch wenn mir meine Schatten begegnen. Wenn wir lernen, diese an die Hand zu nehmen, entstehen Rücksicht und Vorsicht. Beides ist unabdingbar in der aktuellen Bewegung. Die Herausforderung liegt darin, sich weder in der Vergangenheit noch in der Zukunft zu verlieren. Es geht darum, das zu tun, was jetzt gerade ansteht, mit dem, was mir jetzt gerade zur Verfügung steht.

Herz über Kopf, dabei mit beiden Beinen am Boden. Das ist für mich die Kernaussage der Saturn/Pluto Konjunktion. Dazu muss ich mir ein Herz fassen, um den ersten Schritt zu gehen und mich in meiner eigenen Haltung und Positionierung zu zeigen.
Ich werde mich der Gefahr von Kritik und Vorwurf stellen müssen, ohne hierbei in der Selbstverurteilung oder Ohnmacht hängen zu bleiben. Es geht darum, mir bewusst zu werden darüber, wer ich bin. Hieraus folgt die Stärke, aus welcher ich die Konsequenzen meines Tun abwägen kann und somit weder stur an einer Entscheidung und bestehenden Strukturen festhalten muss, noch aus Angst vor einer Veränderung gar keine Entscheidung treffen möchte.

Es gibt nichts zu verlieren. Es gibt nur die Erfahrung zu gewinnen.

Durch einen Blick auf dein Horoskop kannst du deine ganz persönlichen Herausforderungen und Chancen mit der Saturn/Pluto Konjunktion erkennen. Das astrologische Haus deines Horoskops, in welchem das Zeichen Steinbock steht, zeigt deine persönliche Lebensbühne, auf welcher du die aktuelle Zeitqualität erlebst. Die Planeten, welche in deinem persönlichen Horoskop im Zeichen Steinbock stehen oder mit der aktuellen Saturn/Pluto Konjunktion verbunden sind, zeigen deine Persönlichkeitsanteile, welche sich gerade in Überprüfung und Veränderung befinden.

Im Seminar Horoskop-Aufstellung, vom 13. – 15.12.19, kannst du diese unterschiedlichen Faktoren deines Horoskop zueinander in Aktion erleben.

Anmeldung und Infos: paulus.anna@t-online.de

Vom Glück, zu leben

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Ein Todesfall in meinem nahen Umfeld hat mich dazu angeregt meine Gedanken zum Tod, dem Schicksal und dem Leben in diesem Blogeintrag zu teilen.

Immer wieder begegnet mir in Verbindung mit schwerer Krankheit und Schicksalsschlägen die Ein- und Zuordnung dieser Ereignisse zu „gutem“ oder „schlechtem“ Leben.

Ein Beispiel hierzu, welches schon viele Jahre zurück liegt, ist die erstaunte Aussage einer Nachbarin zum Tode einer Heilpraktiker-Kollegin aus dem Nachbardorf. Diese war in jungen Jahren an Brustkrebs verstorben.
Meine Nachbarin meinte hierzu: „Sich selbst konnte sie wohl nicht helfen“.
Zudem stellte meine damalige Nachbarin die Lebensweise der Verstorbenen in Frage und wollte darin eine mögliche Ursache für das schwere Schicksal der Kollegin festmachen.

Damals wie heute bin ich immer wieder erstaunt darüber, wie sehr wir Menschen nach einer Sicherheit und Garantie im Leben suchen, als wäre ein langes und gesundes Leben die Belohnung für das eigene Wohlverhalten.

Krankheit und frühes Sterben erleben wir hingegen oftmals als Bestrafung.

Gottgläubige und religiöse Menschen beugen sich in diesem Zusammenhang oft dem Willen Gottes und geben somit jedwede eigenmächtige Gestaltungsfähigkeit im Zusammenhang mit Gesundheit und Sterben an eine höhere Macht ab.

Als Krankenschwester, damals 27 Jahre alt, habe ich viele Menschen beim Sterben begleitet. Besonders eindrücklich war für mich die Begleitung eines 50-jährigen Mannes, der kurz vor dem Tod stand. Seine Familie besuchte ihn täglich und mein Eindruck war immer der einer zufriedenen und glücklichen Gemeinschaft, voller Freude und Glück bei jedem einzelnen Besuch, trotz des tragischen Schicksal.
Das machte mich neugierig und ich fragte den Mann, wie es ihm gelang, so entspannt und friedvoll seinem nahendem Sterben zu begegnen.
Seine Antwort war diese: „Ich habe in meinem Leben das getan, was ich tun wollte, hatte einen Beruf, welcher immer mein Traum war und habe dadurch viele schöne Orte dieser Welt gesehen. Ich liebe meine Frau und meine Kinder. Darüber bin ich sehr dankbar und kann zufrieden sterben“.
Diese Antwort hat mich sehr beeindruckt, insbesondere da ich im Gegenzug hierzu häufig 80 oder 90 Jahre alte Menschen beim Sterben begleitete, welche sehr mit ihrem Leben haderten und denen es trotz ihres höheren Alters sehr schwer fiel, zu gehen. Es berührte mich zu sehen, dass vieles in ihrem Leben nie gelöst worden war und offen bleiben musste.
Die Erkenntnis hieraus war für mich: Es ist unerheblich, wie alt ich werde. Wichtig ist, dass ich zufrieden bin mit mir und meinem Leben, egal wann ich sterbe.

Mir wurde klar: Ein zufriedenes Leben gewinne ich nicht durch Wohlverhalten. Vielmehr geht es darum, Mut zu haben, das zu Tun, was ich mir erträume und mir das zu geben, was ich für mich und mein Wohlbefinden brauche.

Dadurch wurde ich in meiner inneren Freiheit bestärkt, mit welcher ich mich gegen eine Fremdbestimmung durch eine Ideologie oder gesellschaftliche Normen stelle. Jedes Ideal empfinde ich in sich schon als eine Beschränkung, insbesondere wenn es um die Themen Ernährung oder Spiritualität geht. Schon immer habe ich mich gegen eine strikte, rigorose, „gesunde“ Lebensweise oder spirituelle Lebenshaltung gewehrt, welche mir ein langes Leben versprechen oder mich zu einem besseren Menschen machen sollen.

Ich glaube, dass wir uns mit selbstauferlegten Methoden und Herangehensweisen mit dem Ziel eines gesunden und langen Lebens immer mehr von der Lebendigkeit des Lebens abschneiden. Wir versuchen, durch die Medizin, die Naturheilkunde oder eine spirituelle Lebensweise eine Sicherheit und Lebensgarantie zu gewinnen. Doch der eigentliche Erfolg des Lebens liegt im Mut zum Wagnis und zum Risiko, meinen Träumen und Impulsen zu folgen und diese zu verwirklichen. In diesem Durchleben gewinne ich eigene Erfahrungen, welche die Grundlage meiner inneren Werte und hieraus folgender Prioritäten in meiner weiteren Lebensgestaltung stellt.

Ich persönlich habe Spaß im Ausprobieren dessen, was mir schmeckt und was mich interessiert. Wenn ich meiner Neugierde folge, dann finde ich ganz selbstverständlich heraus, was für mich gesund und stimmig ist.
Damit spreche ich nicht von Leichtsinnigkeit oder Oberflächlichkeit im Umgang mit dem eigenen Leben aus einer Haltung der Gleichgültigkeit oder Überheblichkeit heraus, sondern vielmehr von einer Lebensweise, welche als oberste Priorität dem eigenen individuellen Lebensplan folgt.

Es sollte unser Ziel werden, die Verbundenheit zur eigenen Instinktnatur wieder zu erwecken. Die damit verbundene Lebendigkeit ist die Wildnis, nach der wir uns sehnen und welche wir zugleich fürchten. Wie anfangs beschrieben, geht es im Erleben unseres „Menschseins“ vielleicht vielmehr um die Zufriedenheit im Leben, als um das Wohlverhalten hierbei.

Ich glaube, dass es unserer heutigen Gesellschaft an Demut mangelt, vor allem gegenüber unseres Körpers und der damit verbundenen eigenen Wesensnatur. Wäre die Erkenntnis in uns bereits verankert, dass das Leben sich niemals formen oder bestimmen lässt, da es wild und unberechenbar ist, dann würden wir auch nicht länger mit dem Leben verhandeln wollen, in Form von Versprechen wie: Ich ernähre mich gesund, betreibe Sport, mache es Recht und handle zum Schutz unseres Klimas.

Damit möchte ich eine gesunde und reflektierte Lebenshaltung in keiner Weise in Frage stellen. Zur Illusion wird diese jedoch, wenn ich dadurch glaube, Tod und Krankheit von mir fern halten zu können.

Das Einzige, was ich tun kann, ist heute im Hier und Jetzt zu sein und das zu tun, was gerade in diesem Moment mit mir und meinen Werten, meinen Prioritäten im Einklang ist.

Ob ich so hundert Jahre alt werde oder von schwerer Krankheit verschont bleibe, ist in letzter Konsequenz vermutlich mehr Glück und Gnade als wir denken.